Zur Navigation springen Zum Inhalt springen Zum Footer springen

Europäischer Tag der jüdischen Kultur 2026 - Lesung

Lesung von Ingbert Blatz in der Bücherei des Judentums Buchen; Foto: Adrian Brosch

06. September 2026, 16:00 Uhr

Liebe ist das schönste Geschenk, das Gott der Menschheit stiftete – sie muss sich aber nicht immer im libidinösen Sinne äußern: Wahre Freundschaft, die tiefe Verbindung zwischen Gläubigen und Gott oder auch die versöhnliche Beziehung zur eigenen Vergangenheit und der eigenen Lebensfreude manifestieren Liebe als wohl Höchstes aller Gefühle. Eine tiefsinnige und gehaltvolle, aber auch sinnstiftende Projektionsfläche gewährte der Liebe der „Europäische Tag der Jüdischen Kultur“: Das Motto „Die Sprache der Liebe“ griff die Buchener Bücherei des Judentums mit einer Lesung von Dr. Ingbert Blatz auf.

Ausgewählt hatte er literarische Werke von Erich Fromm, Else Lasker-Schüler, Mascha Kaléko und Anton Tsirin: Sie alle rückten die Liebe auf verschiedene Weise in verschiedenen Epochen in den Mittelpunkt ihrer Werke, die Dr. Ingbert Blatz nach kurzer Begrüßung äußerst feinfühlig präsentierte. Die Lesung bestach durch ihren anspruchsvollen Charakter: Blatz agierte nicht als Rezitator, er brachte das Gelesene mit eigenen Gedanken in Verbindung und animierte sein Publikum – so viele Besucher zählte der „Europäische Tag der jüdischen Kultur“ in Buchen bisher selten – zum Hinterfragen persönlicher Ansätze.

Erich Fromm zufolge erfordere die Liebe Wissen und Mühe zugleich: Man müsse etwas tun, um zu lieben oder geliebt zu werden, dabei verlaufe die Suche nach Liebe zuweilen synchron zur Suche nach Anerkennung und Erfolg. Von Else Lasker-Schüler verlas Dr. Blatz zwei Liebesgedichte: Zum Einen wurde der „Frühling“ als Zeit geschildert, der die Menschheit zum Leben und Lachen – aber auch zum Lieben – animiere, zum Anderen waren die mit „Ich liebe dich“ betitelten Sätze eine Umschreibung dafür, dass Liebende sich suchen und finden an noch so dunkel erscheinenden Tagen. Die Ode „An mein Kind“ hielt fest, dass Liebe auch trauernde Elemente an sich haben kann und niemals wirklich endet. Mascha Kalèko fokussierte das Hochgefühl aus anderen Perspektiven: Mal endet die Suche nach dem Traumprinzen beim wütenden, einsamen Klavierspielen – das man vierhändig gewiss lieber täte – und mal bezieht sich Liebe auf Vergangenes. Auch zu Anton Tsirins Gedanken zu jüdischen Schriften ließ es sich nachdenken: Spuren emotionaler Nähe treffen auf „schwarze Nachtgedanken im späten Abendwind“ und graue Haare.

Nach der Lesung lud Dr. Ingbert Blatz zum Entdecken der 1998 auf Initiative von Pfarrer Herbert Duffner eingerichteten Bücherei. Das Angebot umfasst Weltliteratur namhafter jüdischer Autoren wie auch Fachbücher, die von Hermann Simon begründete honorige Reihe „Jüdische Miniaturen“ und das Standardwerk „Die Juden im Römischen Reich“ der Buchener Schriftstellerin Ute Schall, das der renommierte Althistoriker Karl Christ seinerzeit in der Süddeutschen Zeitung lobend rezensiert hatte.

Info: Die Bücherei des Judentums (Obergasse 6) ist jeden Donnerstag zwischen 16-18 Uhr und nach Vereinbarung (eMail: info@buecherei-des-judentums.de) geöffnet.

Dieser Bericht von Adrian Brosch erschien erstmals am 15.09.2026 in der Rhein-Neckar-Zeitung