Vortrag von David Jokerst - 100 Jahre jüdisches Leben in China
Der Vortrag handelte von der neuzeitlichen Geschichte der größten jüdischen Gemeinden in China. Es ging um die Entwicklung jüdischen Lebens in Shanghai, Hong Kong und Harbin von 1840-1939. Thematisiert wurden dabei die unterschiedlichen Beweggründe und Hintergründe, die jüdische Menschen nach China führten: Wirtschaftliche Expansion & Imperialismus sowie Flucht und die Hoffnung auf ein besseres, sichereres Leben. Diese Hoffnungen wurden in China überwiegend auch erfüllt, denn alle drei Gemeinden blühten auf. Besonders Hong Kong und Shanghai waren von einer wohlhabenden jüdischen Handelselite geprägt. Zwar war zahlenmäßig der Großteil der jüdischen Gemeinde eher arm oder mittelständisch, doch die in China zu Reichtum gelangten Gemeindemitglieder etablierten eine Vielzahl an Institutionen, und gemeinnützigen Einrichtungen.
Diese ermöglichten den jüdischen Gemeinden eine sichere und blühende Existenz und sorgten für eine positive Außenwahrnehmung. Antisemitische russischen Zuwanderer und die japanische Invasion sorgten jedoch später für ein Ende der Autonomie und Sicherheit und bewegten viele Jüdinnen und Juden, China zu verlassen. Spätestens mit den Umwerfungen des chinesischen Bürgerkrieges lösten sich die Gemeinden auf. Dennoch lassen sich diese rund 100 Jahre jüdischer Existenz in China als ein positives Kapitel sicheren und freien jüdischen Lebens darstellen.
Der Vortrag wurde von David Jokerst, Promotionsstipendiat des Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerks (ELES) gehalten. Herr Jokerst promoviert an den Universitäten Freiburg und Heidelberg zur jüdischen Geschichte in China und war im September und Oktober 2026, im Rahmen der „Schreibzeit in Buchen“, 2 Wochen als Stipendiat in Buchen zu Gast.